:Presse/Rundfunk/TV:

TV/Radio:

Interview auf Barcelona TV, 13.12.2009 (nach dem Bericht ueber Klimaerwaermung) - deutsch mit spanischen Untertiteln

Conversations with Keith, 1 Stunde Gespraech ueber das Buch "Antikoerper" mit dem New Yorker Beat-Poeten Keith Roach, aufgezeichnet fuer das New Yorker Radio "noboarderspoetryradio" (engl.)

VideoTalk about my Soundpoetry &; Soundexamples (engl) Part 1, Interview: Gabi Schaffner, Film: Erkki Pirtola

VideoTalk about my Soundpoetry &; Soundexamples (engl) Part 2, Interview: Gabi Schaffner, Film: Erkki Pirtola

VideoTalk about my Soundpoetry & Soundexamples (engl) Part 3, Interview: Gabi Schaffner, Film Erkki Pirtola

Interview auf der Sendung "Talx", Nov. 2007, Radio X (Podcast)


Presseartikel:


Kult/Fixpoetry, Juni 2010
Collagierte koerperliche und geistige Befunde. Wahrheit und Narrheit vermischen sich bei huelsTrunk und brandStifter
von Siggi Liersch,
Rezension des Antikoerper Buches, urspruenglich erschienen im Magazin "Kult"

Atempo-Magazin, Mai 2010
Gedichte Live - Poetry Slam, Dirk Huelstrunk im Gespraech mit Doris Kleinau-Metzler

Main Spitze 11.5.2010
Kleine Perlen aus New York - Phoebe Kreutz und Brandstifter(HuelsTrunK) beim Literaturfestival Mainz
von Christopher Scholz
Antikoerper Performance

Frankfurter Rundschau, 23/24.1.2010
Deppen decken Deppen auf
von Alicia Lindhof
Schullesung an der Otto-Hahn-Schule, Frankfurt

BZ, 17.12.2009
Wortwaffen und Sprachspiele
Schullesung an der Bachgauschule Babenhausen

Frankfurter Rundschau, 1.7.2009 (pdf)
Sprach-Spieler
von Claus-Juergen Goepfert

Frankfurter Neue Presse, 31.10.2008 (pdf)
Poesie schreit, Comics leben
Schullesung am Friedrich-Dessauer-Gymnasium, Frankfurt-Hoechst
von Katja Faltinski

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 7. Dezember 2008 (pdf)
Es gilt das gesprochene Wort
von Florian Balke

Freitags-Anzeiger, 19.7.2007 (pdf)
Provokation gelungen - Dirk Huelstrunk mischt Dichterfruehstueck auf

Frankfurter Neue Presse, 19.7.2007 (pdf)
Sprachgewalt, die provoziert

Allgemeine Zeitung, Mainz, 16.1.2006
Ungewoehnliche Klaenge im Kirchenraum

Frankfurter Rundschau 25.10.2004

Der Herr der ungewohnten Klaenge
vom Kuenstlerbuch zur Sample Poetry/Finissage der Buchausstellung im Haus zum Loewen
von Katja Schosser

Es klingt wie ein wildgewordener Tonarm, der quer ueber den Plattenteller scratcht. Noch wenige Minuten vorher glich das Ganze einer mehr oder weniger normalen Lesung. Auch wenn die minimalistische Prosa, die der Frankfurter Autor, Sound- und Slampoet Dirk Huelstrunk in stakkatoartigen Saetzen zum Besten gab, per se nicht dem althergekommenem Literaturbetrieb entspringt. Doch das war vorher. Jetzt ist Dirk Huelstrunk wieder ein Slammer der Poetry sammelt. Will heissen: Er ist Wort- und Laut DJ. Sammelt mit einem kleinen schwarzen Kasten - dem Sampler eben - Geraeusche, Wortfetzen, Klaenge auf, die er mit einem Effektgeraet und der eigenen Stimme am Mikro zu immer wieder ueberraschenden Klangfolgen mixt. So entstehen teils kakophonisch anmutende Tonkaskaden, die sich wenige Takte spaeter wieder zu Worten formen.
Ordentlich was auf die Ohren bekam das Publikum bei der Finissage der Ausstellung "Buchherstellung vom Mittelalter bis heute" im Haus zum Loewen. Dirk Huelstrunk praesentierte eine bis dahin seltene literarische Gattung - Sample Poetry.
Und weil so was nicht unter einer gewissen Lautstaerke funktioniert, wie der Autor eingangs erklaert, "wird Ihnen die Tonanlage in diesem relativ kleinen Raum wahrscheinlich die Ohren durchblasen". Immerhin, der Kuenstler ist seinem Publikum gegenueber grosszuegig. Wem es zu laut wird, der duerfe durchaus den Raum verlassen.
Sagts und stellt sich ans Mikro, gross, schlaksig, mit Intellektobrille und mikrokurzen Haaren. Und dann legt er los. Schlackert, klackert, zuckt, schnalzt, jault, wimmert, windet sich, streicht in luftiger Hoehe uebers Effektgeraet, blaest die Backen auf, mutiert zum Muezzin. Dann werden aus Worten bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Bruchstuecke, die wieder in verstaendlichen Silben muenden. Das alles soll und will Assoziationen wecken, ohne sich allzu ernst zu nehmen.
Der Huelstrunk-Auftritt zum Ausklang der laut Kulturbueroleiterin Bettina Stuckard "sehr erfolgreichen" Buchausstellung im Stadtmuseum Haus zum Loewen zeigte zwei voellig unterschiedliche Formen der Literaturpraesentation - klassische Lesung kontra Klangperformance. Zunaechst las der Autor, der sich seinen Lebensunterhalt unter anderem als Altenpfleger und Nachtwaechter verdient aus seinem im renommierten Isenburger Patio Verlag erschienenen Buch "Sitzen Gehen Stehen", der ein Themenbereich der Ausstellung ist. Minimalistische Prosa oder Kerngeschichten nennt er das, was grossteils in halbstuendigen Strassenbahnfahrten auf dem Weg zur Arbeit entstanden ist. Klassische Lesungen haben ihn mit der Zeit gelangweilt , denn: Literatur heisst fuer ihn nicht nur geschriebene Buchstaben auf Papier. Und so kam der Mitorganisator des Frankfurt Poetry Slam und Radio X Moderator auf die Idee, den Sampler als Schmetterlingsnetz fuer Lautliteratur zu benutzen.

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Darmstaedter Anzeiger 11.11.2003
Lesung - Dirk Hlstrunk, Autor aus Frankfurt ist in der Martin Niemoeller Schule zu Gast

Unter dem Titel "Wider das Vergessen" stand die bundesweite Leseaktion des Verbandes Deutscher Schriftsteller in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale fuer politische Bildung, in deren Rahmen am Montag eine Lesung fuer die Schuelerinnen und Schueler der zehnten Klassen an der Martin Niemoeller Schule in Goddelau stattfand. In zeitlicher Naehe zum Datum der Reichspogromnacht und eingebettet in das Thema des Unterrichts bot diese Veranstaltung fuer die Zuhoerer eine neue und ungewohnte Perspektive, sich mit historischen Ereignissen auseinanderzusetzen, informiert die Schule.
Dirk Huelstrunk, Autor aus Frankfurt und der Sound-Poesie verhaftet, zeigte in seiner Performance die Macht und die Ohnmacht und auch das verraeterische an Sprache. Texte, die zunaechst vermeintlich nur aus Lauten bestanden., entfalteten sich allmaehlich zu einer teilweise bedrueckenden oder betroffen machenden Aneinanderreihung von Worten, deren Bedeutung durch die eindringliche Art des Vortrags herausgestellt wurde - so zum Beispiel die Texte Alltag oder Entscheidung.
Huelstrunk verstand es, die Ereignisse des 9. November 1938 und das Verhalten der Menschen, die wegsahen, schwiegen oder aktiv mitmachten, so in das Blickfeld zu ruecken, dass sie sich immer wieder die Frage nach der eigenen Position stellen mussten. Sicherlich keine leichte Kost, so die Mitteilung. Die Veranstaltung fuer die Schueler bot die Moeglichkeit, an eine neue Art der Literatur und Sprachkunst heran gefuehrt zu werden.

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aus: Der Frankfurter, 2002

Blutwurstessen mit Roman Polanski
Netzwerk-Poesy und Poetry-Slams: Die Underground-Literatur in Frankfurt boomt
Von Gesine Kleinschmit

(.....)Eine seltene literarische Gattung ist die "Sample Poetry", der sich Dirk Hlstrunk widmet. Zumindest im deutschsprachigen Raum ist ihm niemand bekannt, der seine Werke auch so bezeichnet. Das Material des 37-Jhrigen, der seine Kunst mit Nachtwachen im Behindertenwohnheim finanziert, sind Wortpartikel und kleine Worte. Hlstrunk hlt sich gerne an der Grenze zur Sprache, an ihren Grundelementen auf, ohne vllig abstrakt zu werden. Krzere und lngere Sprechstcke nimmt er auf und hat so ein ganzes Sortiment von Versatzstcken, das er - wie ein DJ - zum Sampeln nutzen kann. Aus Wortfolgen bastelt er sich so genannte Loops, die als rhythmischer Hintergrund Verwendung finden. "Ich versuche auszuloten, was in einem Wort steckt", beschreibt er sein Unterfangen. Die Konjunktion zum Beispiel "und" sei fr ihn "ein ganz wichtiges Sample-Wort". Nicht nur "eine elementare Verbindung zwischen allen Dingen", sondern zugleich "immer auch etwas mehr". Deswegen stecke in dem kleinen Wort "eine Andeutung von Transzendenz". Fr ein anderes Stck hat er aus dem Psychrembel, dem Wrterbuch fr Mediziner, geschpft. "Ganz poetische Begriffe" habe er da gefunden, wie "Nabelschnurgerusch" oder "Sesambeine".

Klassische Lesungen - "wenn da jemand hockt, das Wasserglas an der Seite und aus seinem Buch stottert" - findet Hlstrunk furchtbar. Bildungsbrgerliche Veranstaltungen seien das die einen fest gefahrenen Stil und Ritus haben. Ihm geht es darum, das anders, "lebendiger" zu machen. Er will Literatur als Live-Performance und Improvisationskunst kultivieren. Kein Wunder, dass Hlstrunk auf die Idee kam, in Frankfurt einen so genannten "Poetry Slam" zu veranstalten. Im Oktober 1998 gab es den ersten im Caf der Fachhochschule im BCN-Hochhaus am Nibelungenplatz. "Das war sofort ein Riesending mit mehr als 200 Leuten", erzhlt Hlstrunk. Was sich dahinter verbirgt? "Im Prinzip kann jeder bei einem Slam mitmachen", meint Hlstrunk, wohl wissend, dass das aber keinesfalls jeder will. Denn um hier vors Mikrofon zu treten, braucht es eine gute Portion Mut, rhetorisches Geschick und Lust an der Inszenierung. Nicht unbedingt das, was den Literaten Spitzwegschen Kalibers auszeichnet. Leute aus dem Schriftstellerverband, die sich im BCN-Caf auf die Bhne wagten, seien denn meist auch kein zweites Mal gekommen. "Das ist denen emotional zu viel Stress." Gewohnt, in jedem Fall wohlwollend beklatscht zu werden, mssen sie bei Slam-Veranstaltungen auch mit wilden Buh-Rufen rechnen. Die Szene sei gnadenlos, gibt der Initiator offen zu. Aber das gehre zum Spiel dazu. "Jeder hat eine Chance". Und im Gegensatz zum etablierten Literaturbetrieb, wo es Ppste gebe, die sagten, was zu lesen sei, gehe es beim Slam demokratisch zu: "Bei uns entscheidet das Publikum". Es gibt Slam-Regeln mit einem Punktesystem von null bis zehn. Wem das Publikum die meisten Punkte zuspricht, der ist schlielich der strahlende Slam-Champion. Einmal im Jahr gibt es einen "National-Slam", der nchste findet im November in Hamburg statt. Im Rahmen der Frankfurter Buchmesse wrde Hlstrunk einen der nchsten National-Slams gerne nach Frankfurt holen. Angefragt wurde er bislang allerdings nur von der Leipziger Konkurrenz.

DER FRANKFURTER, 2002

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aus: www.gebrauchte-musik.de , Online-Magazin fuer Musik, Homerecording und Geraeuschpop, Jan. 2002

Das Geraeusch innerhalb der Laute
Dirk HuelsTrunk: Examples of Sample Poetry (CD, 2001)

Der Titel der CD ist bescheiden und zugleich programmatisch, klingt er doch so, als seien die 22 Tracks (Gedichte? Klang kunstwerke? Repetitive Kehlkopf-Arien? Eine Klassifizierung in den Kategorien der traditionellen Kunstgattungen ist bei Artefakten dieser Art nach wie vor schwierig.) nur ein kleiner Vorgeschmack auf eine zuknftige Kunst, in der nicht - wie in der Literatur - die Bedeutungsfunktion der Sprache im Vordergrund steht, sondern die Gerusche des menschlichen Sprechens. So werden Nebengerusche wie das Atmen oder das ffnen der Lippen zu Breakbeats gesamplet, wrgende Kehlkopfakrobatik a la Helge Schneider und Max Goldt fungiert als Zerhacker sprachlicher Alltagssituationen, das fr die Kommunikationsfunktion der Sprache Bedeutungslose wird zentral und stellt die Selbstherrlichkeit dessen, der sich seiner Sprache gewiss whnt, in Frage. Obwohl dieser sprachkritische Ansatz sich zweifellos aus dem dadaistischen Laut- und insbesondere Simultangedicht speist, hat es mit dem Lautgedicht als literarischem Genre, wie es heute etwa im Werk von Ernst Jandl oder Oskar Pastior begegnet, weniger zu tun, als man denken knnte. Entscheidend fr die Eigenstndigkeit der Sample Poetry ist tatschlich der Sampler bzw. die Verwendung von avancierter Technologie. Indem sie Sprach- bzw. Sprechkunstwerke schafft, die ohne den Einsatz solcher Techniken, also allein im Live-Vortrag des Sprechers, gar nicht mglich wren, reflektiert sie auch das Verhltnis von Mensch und Technik bzw. genauer gesagt die Frage, inwieweit die "Revolution der Kommunikationstechnologie" auch eine Proliferation der Kommunikationsstrungen sein knnte. Unter diesem Aspekt ist die Tradition, an die Dirk HlsTrunk anschliet, am ehesten die der lettristischen Schallplattenaufnahmen, die Greil Marcus auf dem LP-Sampler zu seinem Buch Lipstick Traces berliefert: diese Instrumentation verbale von Jean-Louis Brau kann auch nur durch den Einsatz der damals verfgbaren Studiotechnik so klingen, wie sie klingt. Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass es erst 1963 zu einer solchen Aufnahme kam, obwohl der Lettrismus als literarisches Phnomen in den 50ern seine Hochphase hatte: 1963 hatte sich die Musique concrete in Frankreich als Avantgarde-Genre innerhalb des Rundfunk-/Studio-Kontextes durchgesetzt, ein Genre, dem es ebenfalls um die Auslotung der Grenzen zwischen Kunst-Signal und Umwelt-Gerusch und die Erprobung neuer Technologien ging. Vielleicht konnte der Lettrismus als traditionelles Literaturzirkel-Phnomen erst innerhalb dieses Kontextes sein volles Potenzial entfalten. In der gegenwrtigen Klang-Landschaft sucht Dirk HlsTrunk indes weiter seinesgleichen; einzig vergleichbar sind die Arbeiten von ide: (Christian Ide Hintze), die unter dem Titel [ampf] (Extraplatte 462) erschienen sind. Whrend HlsTrunks empfehlenswerte CD den Beweis antritt, dass extreme Kunst sehr lustig sein kann, gelten seine Performances als schlechthin legendr.

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Die Welt (Hamburg), 26.6.01

Der mit den Ohren liest
von Frank Keil

Dirk Hlstrunk ist ein Slammer, der seine poetry sampelt. Das muss ein bisschen erklrt werden: Da steht ein schlaksiger junger Mann mit Knstlerbrille und Krzesthaarschnitt auf der Bhne der Schilleroper und gibt seltsame Gerusche von sich. Er schlackert mit den Armen, er zuckt mit dem Oberkrper, er dehnt und formt seinen Mund. Es zischt dabei, es schnalzt, es blkt, es wimmert, und zuweilen sind einzelne Worte zu erkennen. Das Wort Hund oder das Wort Kunst. Aus Hund wird Kunst und aus Kunst wieder Hund. Manchmal gibt es Umwege, ber Hundert und Wunder und hundert Wunder bis zu hundert Hunden. Auch das Wrtchen Sinn ist kurz zu hren, bevor es zwischen Zischen und Sthnen wieder verschwindet.

Neben dem Vortragenden steht ein kleiner schwarzer Kasten mit Knpfen und Tasten. Hlstrunk dreht und drckt viel daran herum. Dann hrt man Hund oder Kunst oder Sinn elektrisch verstrkt; mal laut, mal schleppend, mal in hektischem Stakkato. Er lsst die Maschine laufen, duelliert sich mit ihr, hrt ihr zu, schweigt sie an. Das ergibt einen Chor lautmalerischer Stimmen, ein Chaos aus Krach und Klang, das sich berraschend wieder legt. Einen Walzer produziert er so und einen flotten Rocksong - nur aus dem Wortpaar "Geben/Haben".

"Das habe ich bei Kurt Schwitters abgekupfert", sagt Hlstrunk spter etwas verlegen zu einem Sprechstck. Einflsse aus der Lautpoesie des Dada und ihrer Nachfahren, aber auch aus dem Jazz und der Konkreten Poesie und der Performance Art der Achtziger sind zu erkennen. Hlstrunk - der als Pfleger in Frankfurt ttig sein soll und bestimmt ganz anders heit - macht das alles Spa, und das Publikum teilt seine Lust am sinnigen Unsinn. Auf dem Hhepunkt des Wortkonzertes fotografiert der Knstler die Anwesenden, whrend sein Sampler stoisch seine Arbeit macht. FK


(c) Die WELT online
http://www.welt.de

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aus: Mainspitze:Rhein-Mainer Online Dienst (www.main-rheiner.de/regional/ruesselsheim)

Ein Poet auf der Suche nach dem Sinn

Vom 21.03.2001

Von Andre Domes

RUESSELSHEIM. Nicht gerade wenig vorgenommen hatte sich Slam-Poet Dirk Huelstrunk am Montagabend im "Rind". Der Frankfurter begab sich vor rund 20 Besuchern auf die Suche nach dem Sinn. Ob er ihn nach der Vorstellung seines aktuellen Programms "Sinn Und" gefunden hat, bleibt unklar. "Die Performance war zwar als Trash-Poetry angekndigt, es wird aber heute eher etwas meditativ, wenn nicht sogar esoterisch", versprach Huelstrunk vorneweg. Vor dem Beginn seiner eigentlichen Performance teilte er kleine "Sinnkaertchen" aus, auf der die Besucher eigene Sinnsprche verewigen sollten. Als eine Art Feedback wurden diese nach dem Programm in einem Kaestchen gesammelt. Dass am Ende viele der Karten beschrieben zurckkamen, bewies das Potential von Huelstrunks ganz eigener Kunstform, zum Nachdenken anzuregen.
Die meisten Gedichte erinnerten stark an Sprachformen des Dadaismus. Oftmals bestanden die Stcke nur aus Wortbruchstuecken und Silben, die fast bis zur Unkenntlichkeit reduziert dennoch oder gerade deshalb eine Vielzahl Assoziationen wecken. Bei vielen seiner Sprachstuecke nahm Huelstrunk seinen "Dr. Boss", einen kleinen Sampler zu Hilfe. Mit ihm spielte er Worte und Sequenzen seiner eigenen Stimme immer wieder ab, setzte sie neu zusammen oder veraenderte sie in Geschwindigkeit und Stimmlage. Erstaunlich war, wie schnell sich durch kleine Veraenderungen der Laute Bedeutungen verschieben und immer wieder neue Bilder entstehen lassen. Die elektronische Unterstuetzung begreift Dirk Huelstrunk als Chance, sich auf der Buehne selbst zu zitieren. "Soweit ich weiss, bin ich der einzige deutsche Sprachkuenstler, der mit einem Sampler arbeitet. Da ich auch oft mit Musikern zusammenarbeite, gibt mit der Sampler die Moeglichkeit, mich sehr schnell und flexibel selbst zu vervielfaeltigen. Das hat natuerlich auch grossen Einfluss auf den Schreibprozess", erklrte Huelstrunk. Der Organisator des Frankfurter "Poetry-Slam" hat bereits zwei Buecher bei Kleinverlagen veroeffentlicht. In Exemplare von "Echt", einer Science-Fiction-Erzaehlung, und dem Kurzprosa-Band "Sitzen, Gehen, Stehen" konnten die Besucher am Montag ebenfalls hineinschnuppern.

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Schoen & klug

Kurzweiliges bei "WortBeat"

Von Susanne Broos

"Und, und, und, und" klingt es monoton aus dem Lautsprecher, waehrend Dirk Huelstrunk Substantive wie Kurt, Juergen, Nacht, Sorgen, Verlangen, Bier, Tussi nur durch "und" zu einer hinreissenden Geschichte verbindet. Hauptwoerter und Ein- bis Dreiwort-Saetze sind sein Spielmaterial, ein Sampler sein technisches Equipment, das Ergebnis des Mensch-Maschine-Dialogs nennt der Frankfurter "Sample-Poetry". Sein Auftritt war ohne Zweifel einer der Hoehepunkte des "WortBeat"-Abends im Jazzkeller, einer Live-Literaturperformance.(...)

Copyright Frankfurter Rundschau 2000
Dokument erstellt am 17.10.2000 um 21:07:52 Uhr
Erscheinungsdatum 18.10.2000