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ECHT, edition das
fröhliche wohnzimmer, Wien, 1995 |
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(Zurück) Der Inspektor
betrachtete das Reagenzglas in seinen Händen lange. Es war
vollständig ergrünt an allen Organen, und der saftige
Inhalt sprudelte farblos über den Rand. Konsequenterweise
transzendierte er sein verhasstes Büro und erschien leicht
verwandelt in einer anderen Zeit, die ihm bereits gut bekannt
war. Weit weg waren die Rufe der Androiden, die ihn an die
Zukunft zu erinnern versuchten. Im untersten Teil seiner von
innen verschliessbaren Schreibtischschublade, verschwiemelte ein
anderer Aspekt des gleichnamigen Inspektors unter einer dicken
Kruste. |
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(Telefon) Neineineineinein, es darf nicht sein, es kann nicht sein, wohin wir sehen, es ist bloss Schein - so sang der Chor der Androiden. Vielmehr: er hätte so gesungen, wäre das Singen eine Eigenschaft von Androiden. Eine Gruppe dieser höchst maschinenähnlichen Menschen, unter Vertrag bei der Zentralen Substanz, säuberte zum Zeichen der Arbeitsmoral den staubigen Bürotrakt. Die Flocken flogen hoch in den Himmel und rieselten an anderer Stelle nieder, wo sie entweder Priester oder Lungenkrebs erzeugten. Der Bürotrakt, so schäbig er auch aussah, war immerhin für Alles und Nichts zuständig. Dies verlieh seinen Bewohnern ein hohes Selbstbewusstsein. Die Gummischürzen des androidischen Sondereinsatzkommandos unter Leitung des Inspektors glänzten makellos. Dieser jedoch blieb unsichtbar. Ausgerechnet jetzt klingelte das Telefon. Die Androiden waren nicht befugt, abzunehmen. In stiller Ehrfurcht umstellten sie den Apparat. Alle wussten, worum es ging. Ein Obendrüber-Wichtigtuer der Zentralen Substanz wollte nachfragen, wie weit man mit den Vorbereitungen des GROSSEN EINSATZES GEGEN DIE EXTREMISTISCHEN ECHTEN war. Der Amtsstubenunterbeauftragte Inspektor sollte den Einsatz höchstselbst, unter Beteiligung aller erdenklichen Extremitäten, leiten. Fraglicher Inspektor, so hatte die Zentrale Substanz in Erfahrung gebracht, verfügte über ein interessantes Mass an Kenntnis des neuroleptischen und theologisch-taktilen Unterbaus der fraglichen Gruppe. Endlich
war die Zeit gekommen, zur Freude aller Langweiler und
Bildschirmnörgler, einen entscheidenden Schlag zu führen.
Für einen solch entscheidenden Schlag braucht man einen
entschiedenen Gegner. Man braucht eine Vernichtung des ALLTAGS.
Viel zu lange hatte man die ECHTEN für eine Seifenblase
gehalten: ihre Spielchen mit Radiergummis, das lächerlich
provokante Verdrehen von Radioknöpfen, das Unterknüllen
von rot verfärbten Bettlaken. Wer kann heute noch Rot von
Rot unterscheiden? Da braucht es schon die Hilfe eines speziell
ausgebildeten Androiden mit abgeschlossenem
Kunstfälscher-Studium. Und die weisskalkigen Gestalten, die
es tagelang bewegungslos auf Podesten in Einkaufsstrassen
aushielten, denen gelegentlich applaudiert wurde, wer hätte
sie für ECHTE Mumien gehalten? Der Fotoromanservice des
ABSOLUTEN GEISTES hatte sich des Themas angenommen, und
zahlreiche fingierte Leserzuschriften zeugten von verheimlichter
Phantasie. Eine Reihe unerklärlicher Verschwiemelungsfälle
und falscher Identifikationen führte die Oberste Weisheit zu
ihrem bisher letzten Schluss. Zu gut hatte man beobachten können,
wie sich einige durch Werbung in Film und Funk anerkannt sensible
Werksautoren, an ihren Podesten zu schaffen machten - höchst
gewaltsam. Keine Frage: JETZT musste etwas getan werden. Man
würde teure Eintrittskarten verkaufen, für einen
wohltätigen Zweck, und die Wiederwahl ins nächste
Jahrtausend wäre gesichert. |
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:aus: |
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Sitzen Gehen Stehen, Patio Verlag, Darmstadt u. Dreieich, 1997 |
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DER
MANN |
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